Die Partnerschaft als Vorbild

„Die Migration aus Afrika hat noch gar nicht begonnen“, sagte Dr. Asfa-Wossen Asserate beim Vortrag zu seinem Buch „Die neue Völkerwanderung“, zu dem ihn der Partnerschaftsverein Mitte September ins Humboldt-Gymnasium Vaterstetten eingeladen hatte. Bisher fände der größte Teil der Flüchtlingsbewegungen innerhalb von Afrika statt. Es liege jedoch auch an Europa, ob es jemals zu einem gewaltigen Exodus der Afrikaner komme. Vor allem sieht der äthiopische Prinz, der seit der 70er-Jahren in Frankfurt lebt und die deutsche Staatsbürgerschaft hat, die Afrikaner selbst in der Verantwortung.

In dieser Hinsicht ist seiner Meinung nach etwas in Bewegung: „Bis vor kurzem kamen hauptsächlich Katastrophenmeldungen aus Afrika zu uns. Was die Medien über Afrika berichteten, beschränkte sich in der Regel auf die berüchtigten Ks: Kriege, Krisen, Katastrophen, Korruption, Kriminalität, Kapitalflucht und Krankheit. So mancher in Europa hatte Afrika aufgegeben und für eine lange Zeit galten die Volkswirtschaften Afrikas nicht gerade als Motoren des Aufschwungs. Momentan jedoch entwickeln sie sich erstaunlich positiv – und ein weiteres Potential ist trotz vieler Probleme durchaus vorhanden. Die Volkswirtschaften des afrikanischen Kontinents entwickeln sich nach der globalen Wirtschaftskrise deutlich besser, als die der Länder Europas. Für das laufende Jahr rechnet man mit einem Wirtschaftswachstum von 6 Prozent für den gesamten Kontinent.“

Zwar konnte auch Deutschland von diesem Aufschwung profitieren – hauptsächlich kamen jedoch neue Partner in den Genuss positiver Auswirkungen. Vor allem China. Dr. Asserate rät jedoch nicht, die chinesische (Wirtschafts)-Politik zu kopieren: „Europa muss endlich Schluss machen mit der fatalen Appeasement-Politik gegenüber Afrikas Potentaten. Man sollte die Einhaltung der Grundsätze einfordern, die Afrikas Staaten selbst als verbindlich anerkannt haben. Wer in Afrika nicht bereit ist, diesen Grundsätzen zu folgen, dem sollte die Unterstützung gestrichen werden.“ Dann im Gegensatz zu China den Einfluss auf Afrika zu verlieren, hält Asserate für ein vorgeschobenes Argument.

Darüber hinaus fordert er die europäischen Staaten zu einer fairen Handelspolitik gegenüber Afrika, die nicht mehr die afrikanischen Märkte mit billigen Waren überschwemme und dortige Märkte kaputt mache. Für deutsche Firmen, die sich in Afrika engagieren, wünscht sich der Analyst und Buchautor eine bessere Absicherung von Geschäftskrediten über Hermes-Bürgschaften. Schließlich seien die besten Entwicklungshilfen gute Wirtschaftsbeziehungen. Mit der staatlichen Entwicklungshilfe geht er jedoch hart in Gericht und fordert eine Art Rechnungshof, der die Ausgaben überprüfe.

Mehrmals stellte Dr. Asserate den Partnerschaftsverein ein gutes Zeugnis für seine Arbeit: Die Förderung von Bildung, Ausbildung und Selbständigkeit einzelner sei vorbildlich. Nach 2015 war der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers zum zweiten Mal in Vaterstetten. Vermutlich wird er auch bald wiederkommen: Der Partnerschaftsverein hat 2019 25.Jubiläum und Humboldt-Direktor würde sich über einen Vortrag des Prinzen am Vormittag für Schüler und Lehrer freuen. Dr. Asserate hat bereits versprochen zu kommen.

 

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